Fragebogen: Erich Hoyt

Forscher, Guides, Fotografen, Autoren – mit diesem Fragebogen wollen wir interessante Menschen vorstellen, die die Liebe zu den Walen und zum Meer eint. Diesmal: Mr. Richard Sears!

Das ist Richards liebstes eigenes Walfoto. In Frage #5 erklärt er, warum.

#1 Wer bist du und was machst du?

Ich bin ein Forscher, der seine Zeit am liebsten auf dem Meer verbringt, um alle Aspekte des marinen Ökosystems zu verstehen. Ich mag die Freiheit und Erhabenheit des Ozeans, den endlosen Horizont, die wogenden Wellen – und das großteils unbekannte Leben unter der Oberfläche. Ich gebe mein Bestes, um so viel wie möglich über Meeressäuger zu lernen, insbesondere Bartenwale und ganz besonders Blauwale, die ich seit 40 Jahren erforsche. Ich hatte schon immer einen großen Drang zu lernen und in unbekannte Gebiete vorzustoßen und das Verborgene unter der Oberfläche zu entdecken.

#2 Bester Job der Welt?

Kommt drauf an. Ich kann ohne Frage sagen, dass ich all die Jahre sehr genossen habe und dass mich die Arbeit auf dem Meer schon immer sehr angezogen und ausgefüllt hat. Andererseits hätte ich es vielleicht ebenso sehr genossen, Musiker zu sein – wenn ich denn nur ein wenig besser darin gewesen wäre. Es gibt so viele mögliche Wege, und ich habe viele unterschiedliche Interessen. Aber das, was ich tue und getan habe, wäre sicherlich schwer zu schlagen gewesen.

#3 Warum Wale?

Anfangs habe ich Fische und alle möglichen anderen Meerestiere erforscht. Dann führte eins zum anderen, und am Ende wurde ich Walforscher. Ich hatte nur deshalb die Chance so viel Neues zu entdecken, weil vorher so wenig bekannt war. Natürlich ist es toll, nicht von neun bis fünf in einem Büro zu sitzen, sondern draußen auf dem Meer zu sein. Es ist aber auch nicht einfach, Wale zu erforschen: die allermeiste Zeit sind sie außerhalb unserer Sichtweite, sie können sich frei zwischen den Ozeanen bewegen, in jeder möglichen Tiefe und komplett unabhängig vom Land, an das wir ja gebunden sind. Die Chance, einen kleinen Teil zu dem Wissen über diese Tiere beizutragen, treibt mich an. Wir wussten genug, um sie fast auszurotten – aber fast nichts über ihr Leben. Mittlerweile wissen wir wenigstens ein kleines Bisschen, und ich hoffe, dass wir darauf aufbauen können.

#4 Lieblingsort und -zeit, um Walen zu begegnen?

Es sind mehrere: der Sankt Lorenz in Quebec, wo ich seit 40 Jahren jeden Sommer und Herbst arbeite; die Cortez-See in Mexiko, wo ich 27 Jahre lang im Februar und März geforscht habe; und zuletzt auch die Azoren im Frühjahr, wo wir in den letzten 22 Jahren viel über ihre Wanderungen gelernt haben, weil diese Inseln so günstig mitten im Atlantik liegen.

#5 Liebstes eigenes Walfoto?

Da gibt es einige, aber das Bild oben hatte eine ziemlich starke Wirkung auf mich. Es ist eines der ersten Bilder, das einen Blauwal beim Fressen in seitlicher Lage zeigt. Es wurde anschließend oft verwendet, um zu zeigen, wie Bartenwale fressen.

Ich möchte, dass sie staunen. Staunen, wie diese Tiere leben. Und ich möchte, dass sie für eine Weile ihr eigentliches Leben vergessen, damit sie das, was sie gerade sehen, wirklich aufnehmen können. Sie sollen die Präsenz dieser Tiere fühlen und ein Verständnis für die Zerbrechlichkeit ihrer Welt entwickeln.

#6 Das Beste, was je während einer Begegnung passiert ist?

Der Tag, an dem wir drei Stunden lang mit einem 10 Meter langen Blauwal-Kalb in der Cortez-See geschwommen sind. Das Kalb war sehr neugierig und kam ganz nah an uns heran. Seine Mutter war ein paar Kilometer entfernt und völlig entspannt.

#7 Was macht einen perfekten Tag mit den Walen aus?

Kein Wind. Ein klarer, sonniger Tag. Wir begegnen vielen verschiedenen Walarten, die uns einen kleinen Einblick in ihr Leben gewähren. Oder einfach ein paar Blauwale, die miteinander interagieren und uns erlauben, mehr über ihr Verhalten und ihre Gewohnheiten zu erfahren. Eigentlich immer dann, wenn wir etwas Neues lernen, das wir bis dahin noch nicht richtig verstanden hatten. Es gibt pro Saison ein bis drei solcher Tage. Diese Tage sind ein Geschenk.

#8 Was sollten die Menschen von einer Begegnung mit nach Hause nehmen?

Ich möchte, dass sie staunen. Staunen, wie diese Tiere leben. Und ich möchte, dass sie für eine Weile ihr eigentliches Leben vergessen, damit sie das, was sie gerade sehen, wirklich aufnehmen können. Sie sollen die Präsenz dieser Tiere fühlen und ein Verständnis für die Zerbrechlichkeit ihrer Welt entwickeln. Und ich möchte, dass sie verstehen, wie sehr unser Lärm, unsere Schadstoffe, unser Müll die Ozeane und damit ihr Leben beeinflusst.

#9 Dein Ratschlag für alle, die eine Whale Watching Tour planen?

Es geht nicht darum, so viele Wale oder so viele Arten wie möglich zu sehen. Bleibt entspannt. Erwartet keine Doku aus dem Discovery Channel. Fahrt mit Leuten raus, die nicht nur etwas über die Wale wissen, sondern auch über das Meer allgemein und das jeweilige Ökosystem im Speziellen. Macht nicht die ganze Zeit nur Fotos oder Videos. Lehnt euch zurück, schaut zu und speichert diese Eindrücke in eurem Kopf. Versucht, die stark frequentierten und kommerziellen Gegenden zu vermeiden. Touren, die nur ein paar Stunden gehen, sind Zeitverschwendung. Sucht euch Anbieter, die die Tiere respektieren – die bringen euch raus, um wirklich etwas zu lernen, und sie helfen euch, besser zu verstehen, was ihr gesehen und erlebt habt.

***

Richard Sears gehört zu den bedeutendsten Blauwal-Forschern der Welt. Seinem ersten Blauwal ist er Mitte der Siebziger begegnet, seitdem hat er sein Leben fast vollständig dem größten Tier gewidmet, das je auf diesem Planeten gelebt hat. Er hat die gesamte Blauwal-Forschung überhaupt erst mitbegründet, die Mechanismen der Foto-Identifikation eingeführt und im kanadischen Quebec die Mingan Island Cetacean Studies gegründet. Sears versucht, so viel Zeit wie möglich im Boot zu verbringen, die Arbeit am Schreibtisch ist ihm zuwider. Wir hatten das große Glück, ihn eine Woche auf den Azoren zu begleiten – ein ziemlich eindrückliches Erlebnis!

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