Walreise: Island

ISLAND

Auftakt unserer Walreise: 10 Dinge, die uns in Island besonders gut gefallen haben.
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Walreise ISLAND

Auftakt der Walreise: 10 Dinge, die uns beim Whale Watching in Island besonders gefallen haben.

Zwei Wochen in Island, die erste Station unserer Walreise: Neben Geysiren, Gletschern, Vulkanen, Wasserfällen, Lavafeldern und schwarzen Stränden haben wir vor allem Wale gesehen, sehr viele Wale, an vielen tollen Orten, und genau das war ja auch der Sinn der Reise. Island ist wirklich ein phantastischer Ort, um etwas über Wale zu lernen.

#1 Die springenden Pottwale vor der Küste von Olafsvik (kein Foto)

Wenn man Pottwale sehen möchte, fährt man normalerweise eher nach Norwegen, auf die Azoren oder nach Neuseeland. In Island ist es zwar grundsätzlich möglich, ihnen zu begegnen, es ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Gleich bei unserer ersten Tour von Olafsvik aus hatten wir jedoch ziemliches Glück: drei Pottwale, die immer wieder für kurze Zeit abtauchten und dann für längere Zeit an der Oberfläche blieben. Pottwale sind zumindest für mich die faszinierendsten und beeindruckendsten aller Wale (Theresa ist da eher bei den Orcas), ich könnte mich immer wieder stundenlang aufs Neue begeistern, was Pottwale so alles können. Aber ich habe das ja bereits hier lang und breit aufgeschrieben.

Vor Olafsvik hatten wir jedenfalls das seltene Glück, einen der drei Pottwale gleich mehrfach springen zu sehen. Viele Wale springen, Pottwale jedoch so gut wie nie. Nach ihren extremen Tauchgängen sind sie schlicht zu erschöpft, um nach dem Auftauchen auch noch wild herumzuspringen. Hier vor Olafsvik war das Meer allerdings nicht ganz so tief, die Pottwale blieben nicht ganz so lange unter Wasser und hatten so offensichtlich noch genug Reserven. Drei Sprünge, direkt hintereinander, nicht weit von unserem Boot. Zu dem seltenen Glück der springenden Pottwale kam bei mir allerdings auch das seltene Pech von drei leeren Akkus sowohl in der Kamera als auch im Handy, weil ich vorher schon so viel fotografiert hatte. Also keine Fotos von springenden Pottwalen. Aber immerhin von Fluken. Die sind ja auch immer schön.

#2 Der schwarze Strand von Vik und die Trolle von Reynisdrangar

Man muss in Island immer das Wetter im Auge behalten. Auch im Sommer. Gut möglich, dass man mit strahlendem Sonnenschein aufwacht, nachmittags ein paar Schneeflocken abbekommt und abends von einem ordentlichen Sturm durchgerüttelt wird. Und was man wirklich IMMER dabei haben muss: Regensachen. Ganz besonders, wenn man in den Süden möchte, z.B. an die schwarzen Strände von Vik und Reynisfjara, die zu den schönsten Stränden der Welt zählen. Denn der Süden ist die regenreichste Region der gesamten Insel. Wahrscheinlich sind die Hänge und Wiesen genau deshalb hier noch etwas grüner und satter. Gerade in Kombination mit den schwarzen Lavastränden ein phantastischer Anblick.

Von Vik aus kann man in drei, vier Stunden wunderbar über den Reynisfjall wandern, den Hausberg von Vik, der von unten steiler aussieht als er dann tatsächlich ist. Von oben hat man einen wunderbaren Blick über beide Strände, die sich tiefschwarz und endlos nach Ost und West ziehen. Von oben hat man außerdem den besten Blick auf die drei Felsnadeln von Reynisdrangar, die der Sage nach eigentlich gar keine Felsnadeln sind, sondern Trolle, die ein gestrandetes Schiff an Land ziehen wollten und dabei von der aufgehenden Sonne überrascht wurden, so dass sie noch an Ort und Stelle zu Stein wurden. Auch wenn es sich wahrscheinlich nicht ganz genau so zugetragen hat: Island steckt voller solcher wunderbarer Geschichten.

#3 Die besten Vögel der Welt: die Puffins von Durholaey

Wer den schwarzen Strand von Reynisdrangar bis zu seinem Ende im Westen durchläuft (oder einfach mit dem Auto bis rüber nach Durholaey fährt), wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Puffins begegnen. Puffins sind die besten Vögel der Welt. Sie wirken immer ein bisschen ungeschickt, dabei aber immer auch sehr bemüht, und insgesamt versuchen sie in all ihrem Tun so unangestrengt und souverän wie eben möglich zu wirken. Eine phantastische Kombination. Wir sind ihnen schon öfters begegnet, und es ist wirklich jedes Mal ein riesiger Spaß, ich kann ihnen stundenlang zuschauen und mich dabei nicht für eine Sekunde langweilen. Ich werde demnächst noch einen Text nur über Puffins schreiben. Oder gleich eine eigene Webseite starten, bei der es nur um Puffins geht. Mal sehen.

Komplett humorlos dagegen: Küstenseeschwalben. Wer sie mal irgendwo am Strand herumsitzen sieht: einfach woanders hingehen, der Umweg ist es wert. Wirklich. Küstenseeschwalben nisten gern am Strand, und nistende Küstenseeschwalben sind überhaupt kein Spaß. Sie wirken klein und unscheinbar, sind aber extrem mutig und entschlossen. Kommt man ihnen bzw. ihren Nestern zu nahe, greifen sie sofort an. Wild und wütend, im Sturzflug, mit dem spitzen Schnabel immer wieder direkt auf den Kopf. Das mag jetzt hier beim Lesen vielleicht lustig klingen, draußen am Strand hat man da aber eher wenig zu lachen. Besonders blöd ist es, wenn man nicht weiß, wo genau dieses Nest überhaupt ist. Dann irrt man wirr herum, wehrt hektisch die Attacken ab, und ohne es zu ahnen kommt man dem Nest aus Versehen immer näher, weshalb die Angreifer immer mehr und immer wütender werden. Uns ist das passiert, mehrfach. Und es war kein Mal lustig.

#4 Abends in Husavik: Whale Watching bei Mitternachtssonne (fast)

Man kann in Island an sehr vielen Orten Wale beobachten, im Westen am besten von Reykjavik und Olafsvik aus, im Norden am besten von Akureyri und Husavik aus. Husavik liegt am weitesten im Norden, hier hat man im Sommer also die längsten Abende. Und es ist schon wirklich sehr phantastisch, um zehn Uhr abends bei immer noch nicht ganz untergegangener Sonne auf einem alten Holzboot zu stehen und in der Ferne Wale zu beobachten. Den ganzen Sommer über halten sich einige Buckel- und Zwergwale in der Skjalfandi-Bucht auf, zu Beginn und Ende des Sommers sind regelmäßig sogar Blauwale auf ihrem langen Weg nach Norden bzw. Süden zu sehen.

Die Blauwale haben wir allerdings um genau eine Woche verpasst. Kurz nach unserer Abreise haben wir dann auf Facebook gesehen, dass eine Gruppe von fünf oder sechs von ihnen ganze zehn Tage lang in der Bucht geblieben ist. Dafür sind wir in Akureyri aber einem Buckelwal begegnet, der über eine Stunde lang immer und immer wieder gesprungen ist, oft drei, vier Mal direkt hintereinander. Und obwohl ich nach ein paar Sequenzen seinen Rhythmus weitgehend raus hatte, ist mir nicht ein einziges scharfes Foto gelungen. Es gibt noch so viel zu lernen.

#5 Kirkjufell, der meist fotografierte Berg Islands (Parkplatz nicht im Bild)

Es ist immer ein bisschen komisch, plötzlich an Orten zu stehen, die man sonst nur von Fotos kennt. Der Kirkjufell auf der Halbinsel Snaefellsnes ist so ein Ort, der meist fotografierte Berg Islands, und auch europaweit gibt es nicht allzu viele Berge, die häufiger fotografiert werden. Das bekannteste Foto stammt wahrscheinlich vom amerikanischen Star-Fotografen Art Wolfe. Er hatte den Kirkjufell auf dem Cover seines Buches „Eden“, und spätestens seit diesem Buch wollen alle immer unbedingt zum Kirkjufell. Ich auch.

Und wenn man nur diese Fotos im Kopf hat, ist man in der Realität manchmal ein bisschen enttäuscht. Nicht vom Berg selbst natürlich, der sieht in echt ganz genau so aus, wie auf den Fotos. Eher vom Drumherum. Dass da z.B. direkt eine Straße entlang führt. Oder dass da ein Parkplatz ist, an dem alle halbe Stunde eine Busladung Touristen aussteigt, um den Berg von allen Seiten zu fotografieren. Oder dass da so ein angelegter Weg einmal um den kleinen Wasserfall herum führt, damit man Wasserfall und Berg schön zusammen auf ein Bild bekommt, ohne sich die Schuhe allzu schmutzig zu machen. Diese Dinge.

Aber wahrscheinlich ist das einfach so an diesen Orten, die man immer nur von Fotos kennt. Man muss sich Straße und Parkplatz wohl einfach wegdenken. Und später nur die Fotos anschauen.

#6 Bunte Straßen, einfach so (warum auch nicht?)

Es gibt in Island die Ringstraße, jede Menge Schotterstraßen und einige komplett unzugängliche F-Roads – und auch ein paar bunte Straßen: eine rote, eine blaue, eine grüne. Einfach so. Aus welchem Grund diese Straßen nun für einige Hundert Meter plötzlich bunt waren, konnten wir leider nicht herausfinden, und abgesehen von der Farbe haben sie sich beim Drüberfahren auch wie handelsübliche Straßen angefühlt. Trotzdem haben sie mich für mindestens fünf Sekunden und jeweils ein Foto doch sehr begeistert. Bunte Straßen, warum nicht!

#7 Endlose Lavafelder, erloschene Vulkane: alles brodelt und blubbert

Die meisten Leute, die nach Island fahren, nehmen die Ringstraße. Die führt einmal um die Insel herum und an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten vorbei. In zehn Tagen gut schaffbar, ganz komfortabel. Wer etwas mehr Abenteuer sucht, mietet sich einen Geländewagen und fährt auf einer F-Road ins Landesinnere, immer schön dem Matsch hinterher. Was mir insgesamt aber ein bisschen zu kurz kommt: Snaefellsnes.

Snaefellsnes ist eine kleine Halbinsel im Nordwesten von Reykjavik, die oft als „Island in einer Nussschale“ bezeichnet wird, weil es hier auf engstem Raum wirklich alles gibt, was Island so besonders macht: Vulkane, Geysire, Lavafelder, schwarze Strände. Island ist geologisch gesehen ein recht junges Land, alles ist noch im Werden, alles brodelt und blubbert.

Man kann in Snaefellsnes stundenlang in den endlosen Lavafeldern herumwandern, und wenn man genug Ausdauer mitbringt, kommt man dann z.B. an einem kleinen orangenen Leuchtturm ganz im Westen heraus, von dem aus man eine endlose Sicht über das Meer hat, so dass man mit etwas Glück (und Fernglas) auch Wale sehen kann. Oder man wandert von der Küste weg und kommt irgendwann am Saxholl heraus, einem erloschenen und sehr formschönen, fotogenen Vulkan, den man über nicht enden wollende Stufen bis hoch zum Krater erwandern kann.

Wir haben beides gemacht, und ich kann beides sehr empfehlen. Theresa ist allerdings der Meinung, dass man für den Weg zum orangenen Leuchtturm auch sehr gern das Auto nehmen kann. Der Saxholl indes wurde auch von ihr ausschließlich gelobt.

#8 Island, das Land der Wal-Museen und Wal-Ausstellungen

Man macht sich ja oft keine Vorstellung davon, wie groß so ein Wal wirklich ist. Die Zahlen in den Büchern oder im Internet sind total abstrakt, und wenn man einem Wal dann endlich mal auf dem offenen Ozean begegnet, bleibt er fast die ganze Zeit unter Wasser, und man muss sich alles immer erst dazudenken. Wenn man dann aber irgendwann mal in so einem Museum neben einem echten Walskelett steht, dann wird das schon gleich etwas konkreter: Im Walmuseum in Husavik z.B. haben sie ein komplettes Blauwal-Skelett ausgestellt. Und dann kommt man da in diesen Raum und läuft direkt in dieses gigantische Maul hinein, ein Maul, so groß, dass man locker einen Mittelklassewagen darin parken könnte. Und wenn man dann einfach mal an diesem Blauwal-Skelett entlang geht, in ganz normalem Tempo, und die Sekunden zählt, wie lange man so braucht, um überhaupt vom Anfang bis zum Ende zu kommen, wie lang das eigentlich ist, 25 bis 30 Meter, dann wird das alles schon viel konkreter und beeindruckender. Wenn man sich für Wale interessiert, sollte man wirklich unbedingt mal in so ein Wal-Museum gehen.

In der Wal-Ausstellung in Reykjavik ging das sogar noch einen Schritt weiter. Hier haben sie keine Skelette ausgestellt, sondern lebensgroße Modelle. Und diese Modelle sind so groß, dass wir wirklich bei jedem einzelnen minutenlang gegrübelt und diskutiert haben, ob sie nicht doch ein bisschen zu groß geraten sind, denn SO gigantisch groß kann so ein Grauwal / Buckelwal / Pottwal / Blauwal doch nun wirklich nicht sein. Oder doch? Von der sehr guten Audio-Begleitung, die man über eine App während der gesamten Ausstellung immer im Ohr hat, haben wir jedoch gelernt, dass sämtliche Modelle tatsächlich Lebensgröße haben. Es ist nur wirklich kaum zu glauben.

#9 Meet us don't eat us: konstruktive Streetart in Reykjavik

Wahrscheinlich ist es nur Gedankenlosigkeit und keine böse Absicht, aber es gibt offenbar doch einige Menschen, die allen Ernstes erst eine Whale Watching Tour unternehmen und dann direkt danach in ein Restaurant marschieren und Walfleisch bestellen. Island ist eines der wenigen Länder, in denen immer noch Wale gejagt werden. Weil es hier immer noch Menschen gibt, die Walfleisch essen. Und diese Menschen sind vor allem Touristen. Touristen, die denken, dass man in Island eben Walfleisch isst. Weil alle Isländer ja Walfleisch essen. Das ist allerdings überhaupt nicht der Fall. Das alles ist ein riesiges Missverständnis. Und um es zu beenden, hängen nun überall in Reykjavik Aufkleber mit der Aufschrift „Meet us, don’t eat us“ herum. Ein einfacher, einprägsamer Slogan, den jeder Tourist verstehen sollte. Mit Herzchen! Wir haben leider auch einige Restaurants gesehen, in denen man Puffins essen kann. Puffins! Die besten Vögel der Welt! Wer bitte macht so etwas? Und warum müssen Menschen immer gleich alles essen, anstatt es einfach nur anzuschauen? Mehr Aufkleber für Island!

walreise island am hafen in reykjavik

#10 Supergut: Postkarten und Jutebeutel mit Walen und Puffins!

Ich kaufe auf Reisen total gerne Postkarten und andere kleine Andenken, am liebsten aber Postkarten, denn die nehmen wenig Platz weg, weder unterwegs noch zuhause, und man bekommt sie ja wirklich immer nur vor Ort, und das ist das allerwichtigste Kriterium für so ein Andenken. Ich verschicke sie auch gar nicht, ich nehme sie einfach nur mit und hebe sie auf, und Jahre später freue ich mich manchmal, wenn ich sie dann zuhause beim Aufräumen finde.

Meistens macht mich die Postkarten-Suche vor Ort aber ein bisschen traurig, denn in den meisten Ländern hat sich auf diesem Sektor in den letzten fünfzig Jahren nicht so wirklich viel getan. Es werden stur die immer gleichen Karten mit den immer gleichen Uralt-Motiven verkauft. Umso froher war ich in Island, als ich die vielen schön und modern gestalteten Postkarten der Illustratorin Ninna Thoransdottir sah. Es gab mehrere Motive in diesem wunderbaren Design, und ich habe mich passend zur Reise für einen Wal, einen Geysir und die Puffins entschieden. Sicherheitshalber hat Theresa auch noch einen Wal-Jutebeutel mitgenommen. Man weiß ja nie.

***

Über die Walreise: Im Sommer sind wir zu einer längeren Reise aufgebrochen, die uns nach Island, Grönland, Quebec, British Columbia, Neuseeland und Australien geführt hat. Einmal um die Welt, und überall sind wir Walen begegnet. In den kommenden Wochen werden wir die Geschichten der Reihe nach hier posten. Und dann hoffentlich zur nächsten Reise aufbrechen.

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